Ein Frühlingszauber

Als ich noch zaubern konnte
nahm ich vom Sternenstaub aus der Nacht
mischte Tageshelle hinein und mit einer
Handvoll Frühlingsblühen rührte ich alles
im großen irdenen Topf des Lebens gut um

Gab dem Wunder der Farben seinen ihm
zustehenden Raum und traumverloren
erwachte ich auf meiner Wolke mit der Haus –
nummer sieben – die blauäugig blickende
Acht erkannte ich dicht daneben und beide
lächelten einander wissend zu

Sehe ich dann   wie Krümel wandern und
Sonnenstrahlen in Staubpartikeln baden

Dann weiß ich, dass meine Mischung geglückt ist

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Nochmal die Hexe Grünspan

Sie wollte sich partout nicht ablichten lassen, doch nach vielem Zureden hielt sie einen einzigen, winzigen Moment still.
Hier seht Ihr das Ergebnis. Es ist miserabel.  Vermutlch hat sie einen uralten Zauber gesprochen und einen Glanz über sich gelegt, der sie fast unkenntlich macht  …
Vielleicht kann ich sie ja nochmal fotografieren, wenn ich ihren Zauber durchschaue  🙂

Hexe Grünspan – eine meiner Collagen

Kennt Ihr schon die Hexe Grünspan, auch Frau des Grünwaldes genannt ?

Sie lebt schon sehr lange. Mindestens einhundertfünfundsiebzig Jahre und ein halbes,
plus einen Tag, zwölf Stunden vierundfünfzig Minuten und etliche Sekunden

Ihr Haar ist durchwirkt von silbernen Fäden, ihre Kleider sind grünlich, moosig verblichen,
von dezenter Eleganz, doch brüchig und an vielen wichtigen Stellen im Laufe der Zeit
schon sehr zerschlissen

Im Alter gebeugt und trotzdem gerade, mitunter gestützt auf einen Stock begegnet
sie uns im Collagenwald

Bescheiden ist sie und zeigt sich nicht gerne. Man braucht gute Sicht und scharfe Augen,
damit man sie im dämmerigen Licht des Abends erkennt

Doch nun gibt es sie auch hier auf handgeschöpftem Papier

 

Abendliches Himmelsbild

Mein frühabendlicher Blick aus dem Küchenfenster zeigte mir gestern abend einen Himmel, der mich staunen ließ.
Wo waren all die wunderschönen Rottöne geblieben, die ich so oft bewundere ?

Ich hatte das Gefühl, ich blicke in ein entferntes Meer, das hinter dem kleinen Wäldchen begann.
Wo kamen diese seltsamen Farben her, fragte ich mich, suchte bei meinen älteren Gedichten etwas über den Abendhimmel
und fand diese Zeilen :

So hell, so zart und ach, so hoch da droben
wie feines Tuch das weit die Erde überspannt

Wie Seide, in deren wässeriger Mitte ein Pinsel
an Farbe leicht verlor – das schlichte Weiß
vom Blau sich trennte und wie ein himmlisch
schimmerndes Gebilde als feenhaftes Himmels-
wesen aus Malerhand geschickt entstand

und mit der Zeit auf diesem Wege so nach
und   nach   dann   auch   entschwand …

Damals zeigte mir der abendliche Himmel wohl auch ein blautöniges Gemälde, wie man es nicht oft da oben sieht
Mein Handyfoto ist zwar leicht verwackelt, aber nicht bearbeitet .

Dein inneres Kind

Wenn dir ein Irrlicht von Frühling flüstert und durch
blaublinkende Büsche späht erkennst du
wie lebendig dein inneres Kind in dir lebt

Nie war dir das Gras zu nass – der Kirschbaum
zu hoch der erste Klarapfel zu fad der lehmigste Pfad
zu steil und die Ausleihe mitten im Dorf zu klein …

 

 

Heute meinst Du, die Kirschbäume könnten ihre Zweige gerne ein wenig tiefer hängen 🙂
Steigungen könnten flacher und die ersten Äpfel knackiger sein 🙂

Und außerdem bist Du ausgehungert nach Wärme und Sonnenschein, denn eben erst ist der
Winter vergangen und Schneeglöckchen und Winterlinge hatten den Mut, aus der kalten Erde zu spitzen

Wenn das Herz erblindet

Wenn das Herz erblindet und nicht mehr sieht
keinen Funken Fühlen mehr spürt

schlagen dir die Organe dein Leben um die Ohren
und Frust kriecht klebrig aus deinen Poren

Du vergisst dich zu freuen – Lachen zu streuen
Purzelbäume zu schlagen – mit dem Winde
zu reisen und die Lust zu preisen

Am Stock wirst du gehen – das Leben nicht mehr
verstehen.   So kann es nicht weitergehen

Du wirst ein Schatten ein Schemen ein flaches
Geschöpf – wunschlos wehrlos und ohne Kontur
Von deinem Wesen fehlt bald jegliche Spur

Nimm dein Herz in die Hand trage es über Berge
und Klippen und grausige Abgründe hinweg

in das Land hinter dem Wind in dem Träume
und Wünsche jederzeit herzlich willkommen sind

und die Brücke war leer

Einfach und schlicht war seine Kleidung
sein Rücken gerade oder doch schon schief?

Ein Mensch, der nach anderen Menschen rief
Leise und brüchig die Stimme in der kratzig
unterdrücktes Räuspern schwang

Die Brüstung der Brücke umklammert
als Krücke – ein letzter Halt – steinern und alt

Niemand sah hin und verhielt seinen Schritt
Kein Zögern nur Eilen kein kleinstes Verweilen

Die Dämmerung bleiern und schwer
Maskengesichter und starre Blicke die nichts sehen

Da sprang er und die Brücke war leer

 

 

Es ist lange her, ca. zehn Jahre, da schrieb ich diese Zeilen, doch veraltet sind sie nicht.
Immer wieder gibt es diese Situationen und ein Mensch weiß nicht weiter …

Klirrende Kälte und Schneeflockentanz

Es schneit in leichten, duftigen Flocken
die schnell auf Wegen und kleinen
knuffigen Bäumchen hocken

Es schneit immer weiter   –  Wege schon breiter
Leichter und lockerer pulvriger Schnee

Ich puste er fliegt und stiebt in die Ecken
als wollt er mich necken und stöbert
mit frohem Sinn immerzu um mich herum

Wer hat den Winter denn nun geweckt
die Flocken in eifrige Wolken gesteckt?

Sie rieseln und reisen bis sie vereisen

Kristallene Flocken
Sterne die auch am Tage locken
weich wird dein Schritt und behutsam dein Tritt

In Watte versinken mit Handschuhen winken
dicke Stiefel und warme Jacken
lebhafte Blicke und rosige Backen

Ein Schnee Flocken Winter